2016/12/01




2015/11/15

30. Oktober bis 21. November 2015 zu Gast in GLASMOOG/KHM: Lucile Desamory - »Der goldene Schlüssel«

Fr, 30.10.2015, 20 Uhr
Frédérique Franke (Musikerin, Brüssel)
»Live + proposition sonore«

Fr, 06.11.2015, 20 Uhr
Olaf Karnik (Musikjournalist und Autor, Köln)
»Hauntology Revisited«

Fr, 13.11.2015, 20 Uhr
Christophe Berhault
(Künstler, Berlin/Paris)

»25.000 Paintings«

Fr, 20.11.2015, 20 Uhr
Isabell Spengler (Filmemacherin, Berlin)
»Two Days at the Falls«


GLASMOOG
Raum für Kunst und Diskurs
Kunsthochschule für Medien Köln
Filzengraben 2
50676 Köln
http://glasmoog.khm.de

Weitere Öffnungszeiten:
jeweils samstags, 14 bis 18 Uhr







»Der goldene Schlüssel«, eine Rauminstallation der Künstlerin und Filmemacherin Lucile Desamory (Brüssel/Berlin), wird an vier Freitagen vom 30.10. bis 21.11.2015 zur Bühne für wechselnde künstlerische und musikalische Interventionen.


Zum Auftakt am 30. Oktober tritt die belgische Sängerin und Musikerin Frédérique Franke (Ming, Odessa) mit einer Live-Sound-Performance auf.

Am 6. Dezember kommentiert der Autor und Musikjournalist Olaf Karnik in „Hauntology Revisited“ seinen eigenen Radiobeitrag von 2010 zum Thema »Hauntology« und legt anschließend Platten auf. Hauntology meint weniger ein Genre oder einen Stil als ein spezielles Konzept – und zählte vor ein paar Jahren zu den nachhaltigsten musikästhetischen Diskursen in Großbritannien. Wie von Jacques Derrida in seinem Buch „Marx’ Gespenster“ am Beispiel von Karl Marx veranschaulicht, lässt sich unsere Existenz am Anfang des 21. Jahrhunderts als eine durch das Heraufbeschwören von Geistern der Vergangenheit geprägte verstehen. Derridas Hauntology-Konzept wurde von Autoren wie Mark Fisher oder Simon Reynolds aufgegriffen, als Werkzeug gegen eine im „Nostalgie-Modus“ (Frederic Jameson) erstarrte Postmoderne konzipiert und auf eine Musik-Ästhetik bezogen, die im retrofuturistischen Sound Design des Ghost Box-Labels, in den nostalgischen Ambient Drones von Leyland Kirby (aka The Caretaker) oder den Dubstep-Balladen von Burial aufscheint. Dabei ging es nicht um Nachahmung, sondern um Wiederaufbereitung und Neukontextualisierung von Sounds, Spielweisen und Produktionsmethoden, die als radikale ästhetische Verfahren der Moderne immer auch an (häufig unrealisierte) emanzipatorische soziale und politische Projekte geknüpft waren.

Christophe Berhault präsentiert am 13. November die Videoinstallation »25.000 Paintings«. Die Bildersammlung »25.000 Paintings« besteht aus einer Auswahl von 25.000 Aufnahmen aus privaten Familienalben und Fotoarchiven, die Berhault auf Flohmärkten und in Antiquitätengeschäften in Berlin gefunden hat. Die als Endlosschleife gezeigte Bildabfolge umspannt ein ganzes Jahrhundert, den Zeitraum von 1890 bis 1995, und würde – wollte man alle Bilder sehen – insgesamt drei Tage und Nächte in Anspruch nehmen. Die von Berhault aus abertausenden Abzügen ausgewählten, abfotografierten und so vor dem Vergessen bewahrten Bilder verknüpfen auf hypnotische Weise persönliche mit historischen Ereignissen: Aufnahmen von Festen, Geburtstagsfeiern, Liebesgeschichten oder Urlaubsreisen treffen auf Bilder von Kriegen und anderen Tragödien, von der Teilung eines Landes und seiner Wiedervereinigung.

Zum Abschluss am 20. November ist die 2-Kanal-Videoinstallation »Two Days at the Falls« der Filmemacherin Isabell Spengler zu sehen. »Two Days at the Falls« zeigt zwei 360-Grad-Schwenks über die Niagarafälle: die eine Aufnahme entstand direkt vor Ort, die andere in einem dreidimensionalen Modell, das die Künstlerin in ihrem Berliner Atelier vorab gebaut hatte. Das Modell verkörpert die Vorstellung der Künstlerin von dem ihr aus Abbildungen, Texten, Filmen und durch digitale Repliken bekannten Ort  – eine Destillation von Ideen und Zuschreibungen, skulptural umgesetzt mithilfe diverser kinetischer Maschinen. In der Gegenüberstellung der zwei Projektionen spielt Spengler mit Konzepten der Antizipation, der Imagination, von Zeit und Raum. »Two Days at the Falls« untersucht die Schnittfläche von Wirklichkeit und Vorstellung, Pop-Kultur und privater Wahrnehmung, Monumentalität und Alltag vor dem Hintergrund zeitgenössischer »immersiver« Medientechnologien.

Im Werk der Künstlerin und Filmemacherin Lucile Desamory spielt das Unheimliche und Unerklärbare eine zentrale Rolle. Es geht ihr dabei nicht um die Bezugnahme auf eine andere Welt, auf ein Jenseits, sondern um die Grenzen der Wahrnehmung, wie sie sich aus einer eindeutig irdischen Perspektive darstellen. In ihrer Raum-Klanginstallation »Der goldene Schlüssel« entwirft Desamory auf Einladung der Veranstaltungsreihe »Die beste aller Welten« für GLASMOOG eine gespenstisch anmutende Barsituation, die auf das Café »La clef d'or« in Brüssel verweist. Eine Bar der Möglichkeiten und Begegnungen, des Sichtbaren wie des Unsichtbaren.

Lucile Desamorys Werke wurden international ausgestellt, u.a. in der Tate Modern, den Anthology Film Archives, der Fondation Cartier, der Cinémathèque Royale de Belgique in Brüssel, der Kunsthalle Zürich, dem WIELS Brüssel und dem Mu.ZEE Oostende. In ihrer Arbeitsweise, die auch Dioramen, Filme und Live-Performances einschließt, spielen Kollaborationen mit anderen KünstlerInnen, wie Kevin Blechdom, Nicholas Bussmann, Luke Fowler, Antonia Baehr oder Lucy McKenzie, eine zentale Rolle.

Die Einladung an Lucile Desamory für GLASMOOG einen experimentellen Barraum zu entwerfen, setzt die 2014 mit der »Schäferstunde« der Architektin und Künstlerin Marie-Céline Schäfer im Matjö – Raum für Kunst, Köln, begonnene Veranstaltungsreihe der »besten aller Welten« fort.

Ein Projekt von Die beste aller Welten e.V. und GLASMOOG / Kunsthochschule für Medien Köln. Gefördert von der Rhein Energie Stiftung Kultur und dem Kulturamt der Stadt Köln.

2015/06/14

Mai 2015 – Die beste aller Welten macht sich auf zu einem Recherche-Besuch der Preview-Woche der 56. Biennale von Venedig




Biennale Kurator Okwui Enwezor bezeichnet sie als die Gärten des Chaos. Wie aber denken Künstler über die Giardini? Ist der Garten kontemplativer Rückzugsort oder die Möglichkeit zur Eigeninitiative? Aussähen, Bewässern oder Rückschnitt – In welcher Position sieht sich die Kunst? Wie wird die Biennale von den Besucher_innen wahrgenommen und reflektiert?

Die beste aller Welten hat sich auf den Weg in die derzeit wohl überfüllteste Grünanlage der Welt gemacht, um Voltaires Metapher des bestellten Gartens am Beispiel der venezianischen Gärten zu hinterfragen. Gespräche mit internationalen Künstlern wie Joan Jonas, Olaf Nicolai und Heimo Zobernig bilden den Kern dieser Recherche-Reise, die zusammen mit den Portraits des Fotografen Albrecht Fuchs auf Artblog Cologne eine Diskussionsplattform finden.

Stimmungen, Meinungen und Fakten auf breiter Ebene zu sammeln, ist Motto und Ziel des Projektformats. Es handelt sich um eine Reise, die, ganz im Sinne von Voltaires Candide, eine Sammel-Erfahrung darstellt. Zugleich öffnet und erweitert sich der Aktionsradius von Die beste aller Welten durch diesen exkursiven Ortswechsel.

Idee, Konzept und Ausführung: Caroline Nathusius und Marion Ritter zusammen mit Albrecht Fuchs und in Zusammenarbeit mit Artblog Cologne.

Interviews
Joan Jonas: http://www.artblogcologne.com/interview-joan-jonas/
Heimo Zobernig: http://www.artblogcologne.com/interview-heimo-zobernig/
Olaf Nicolai: http://www.artblogcologne.com/interview-olaf-nicolai/

Ein Erfahrungsbericht von Caroline Nathusius

Die beste aller Welten während der Preview-Tage auf der 56. Kunst-Biennale 2015 in VenedigEin Erlebnisbericht von Caroline Nathusius (PDF zum Download)